Shakespeare in Love


LYX Verlag | 9783736312807 | 481 Seiten | 12,90€ | Juli 2020
Kein Zweifel: Emma Scott ist eine wahre Liebesroman-Göttin! Mit ihren Geschichten trifft sie mich immer mitten ins Herz, lässt meine Endorphine tanzen und meine Tränensäcke kribbeln. Mit „Never Doubt“ legt sie einen weiteren Schmöker vor, der zum Glück abgeschlossen ist – ihre Duette haben mich zuletzt völlig zerstört (vor allem die Wartezeit zwischen Band 1 und 2). Eine herzzerreißende Highschool-Liebe entspinnt sich zwischen den Seiten des Buches und auf der Bühne eines Theaters. Es wird leidenschaftlich, dramatisch, ziemlich tragisch, aber vor allem romantisch. – Achtung, es folgen Spoiler.
Willow widerfährt unaussprechliches und als sie von New York ins kleine Harmony zieht, vergräbt sie sich in der Abgeschiedenheit des Ortes. Sie will vergessen und verschwinden, doch die hartnäckige Angie und der badboyeske Isaac locken sie aus ihrem Schneckenhaus. Nachdem sie Isaac beim Schauspielern beobachtet und sieht, wie er dort seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann, will sie dasselbe für sich. Sie spricht für die Rolle der Ophelia aus Shakespeares „Hamlet“ vor und entdeckt eine neue Leidenschaft in sich. Und als netten Nebeneffekt kann sie nun mehrmals die Woche Zeit mit Isaac verbringen. Doch die Sterne für die beiden stehen nicht gut, da ihre Eltern überhaupt nichts von dem Sohn eines Schrottplatzbesitzers halten, er so schnell wie möglich die kleine Stadt verlassen will und sie keinem mehr trauen kann. Bis beide eines Tages feststellen, dass nichts das aufhalten kann, was sich zwischen ihnen entwickelt…

„Zweifle nicht, Willow.“ Ich küsste sie wieder. In diesem Moment schien es so leicht. So perferkt, dass ich fast vergaß, dass die Worte aus einer Tragödie stammten. – S. 318
Emma Scott schreibt Geschichten, die nicht nur emotional sind, sondern auch einen ernsten Hintergrund haben. Willow wird mit siebzehn Jahren von einem jungen, reichen Mann vergewaltigt, der meint, er hätte ein Recht dazu, da sie sich schließlich aufreizend an ihn herangemacht hat. Sie hat ihm ein Nacktfoto geschickt, sich bei einer Party stark betrunken und sich an ihm gerieben. Viele Wochen haben sie geflirtet. All das nimmt er als Begründung, sie unter Drogen zu setzen, um mit ihr zu schlafen. Um sie locker zu machen, versteht sich. Willow sagt es niemanden. Aus Scham. Und weil sie die Beweise nach der Nacht sofort beseitigt. Aus Scham. Es ist so furchtbar! Es ist verständlich, aber so furchtbar. Sie gibt sich die Schuld. Wegen ihres Verhaltens und wegen des Fotos. Sie hätte nein sagen müssen, was sie nicht tat. Aber sie sagte auch nicht ja. Und das sollte den Jungen und Männern ein für alle Mal eingeschärft werden: Fragen, aufmerksam sein, das Ja einfordern, zärtlich sein und vorsichtig. Verdammt nochmal, warum ist das nur so schwer?! Mich packt da echt die Wut! Die Autorin stellt nachvollziehbar dar, warum sich Willow an niemanden wendet – ihre Eltern sind gelinde gesagt die schlimmsten des Erdballs – aber trotzdem finde ich es immer schlimm zu lesen, dass die Opfer fast nie jemanden haben, an den sie sich wenden können. Es ist nun mal die harte Realität und das tut richtig weh. In Harmony findet Willow zum Glück Angie, die einfach nur eine richtig coole Socke ist. Und ihre Mutter Bonnie ist noch viel cooler. Es ist wundervoll, wie die beiden Frauen Willow unterstützen, denn das ist das, was die Opfer brauchen: Hilfe und Unterstützung. Vor allem Frauen müssen in diesem Punkt fest zusammenhalten. Genau das möchte Emma Scott uns hier verdeutlichen. Sie schafft es auf ihre ganze eigene emotionale und romantische Weise.
Denn so tiefgründig die Hintergründe auch sind, die Autorin schafft es trotzdem eine aufreibende, leidenschaftliche und unterhaltsame Liebesgeschichte zu stricken, die mich innerlich wärmt. Willow ist eine süße und talentierte junge Frau, deren Welt in jener Nacht im Sommer einen Knacks bekommt, doch sie findet eine Strategie, zu überleben. Und das ganz ohne Unterstützung. Das ist super bewundernswert, denn stellt euch mal vor, mit so was zu leben und das Gefühl zu haben, mit niemanden darüber sprechen zu können und trotzdem nicht als depressives Häufchen Elend im Bett zu vegetieren. Sie ist stark, auch wenn sie das nur schafft, in dem sie sich selbst zur Eisprinzessin macht. Aber zum Glück gibt es Angie, die ich absolut liebgewonnen habe. Ich wünschte, ich könnte sie und ihre fetzigen Spruch-T-Shirts aus diesem Buch zerren und sie meine Freundin nennen. Ihr Bemühen um Willow ist bemerkenswert, denn schließlich lässt sich nicht jeder gern ignorieren. Doch ihr Einsatz wird mit einer besten Freundin auf Lebenszeit belohnt. Isaac hat mein Herz gewonnen, da er der typische Kerl harte-Schale-weicher-Kern ist. Was gäbe ich darum, ihn in der Realität den Ödipus und Hamlet verkörpern zu sehen! Aber gut, ich muss mit meiner Vorstellungskraft auskommen. Und die läuft auf Hochtouren, wenn Emma Scott ihren männlichen Hauptcharakter auf einer Bühne stehen lässt. Ich bin total gebannt und kriege Gänsehaut. Seine Lebenssituation ist bescheiden, doch das macht ihn zum Kämpfer. Er hat ein klares Ziel und auch wenn die Sache mit Willow ihn ins Wanken bringt, finde ich toll, dass er durchzieht, was er sich vorgenommen hat.
Einzigartig wird die Geschichte durch die intensive Beschreibung der Theater-Szenen. Dabei meine ich nur die Szenen vor Publikum, sondern all das, was vor der großen Premiere passiert. Das Textlernen, das gemeinsame Spielen üben, das aufeinander Einstellen. Ich habe noch nie so intensiv über Hamlet nachgedacht und ich glaube, ich habe auch erst jetzt richtig verstanden, was mir das Stück sagen will. Das finde ich total super, denn ich bin überhaupt keine Theatergängerin 😉
Emma Scotts Geschichten sind besonders, weil sie gefühlvoll und tiefgründig sind. Doch auch ihr Hang zu künstlerisch begabten Figuren ist bemerkenswert und macht mir immer wieder eine Freude. Sie versteht es, sich in diese Seelen einzufühlen und sie nahbar zu machen. Willows und Isaacs Geschichte ist stark und tragisch, voller Liebe und Schmerz. In zwei Akten brach mir die Autorin das Herz, um es im dritten wieder zusammenzusetzen. Es ist wundervoll und es macht Spaß, auch wenn es ein bisschen weh tut 😉
Wie hat dir „Never Doubt“ gefallen? Lass mir gern einen Kommentar da!
Danke fürs Lesen!
Bis zum nächsten Mal,
L🖤L

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