Wildflower Summer II

In diesem Moment

Die Geschichte von Amy & Nikos

2020 ♥ KYSS Verlag ♥ 334 Seiten ♥ 22 Kapitel + Epilog

Hihcebe, die Sehnsucht, die sie in ihm weckte. Wahnsinnig. Mächtig. Erneut überwältigte ihn die Erkenntnis, die er gestern Abend gewonnen hatte. Dieses Bewusstsein für sie – dieses Verlangen – war immer da gewesen, genau wie er ihr gesagt hatte. Im Grunde hätte ihm das schon viel früher klar sein müssen, wenn er auch nur ansatzweise darüber nachgedacht hätte. Aber jetzt konnte er es nicht länger leugnen.

Wildflower Summer II – In diesem Moment, S. 165

Mehr Blumen. Mehr Sommer. Mehr Gefühl.

Zurück auf der Wildflower Ranch und ich war von Zeile eins an wie gebannt. Es fällt mir schwer, zu beschreiben, was mich an Kelly Morans Schreibstil so fesselt, aber mit jedem Wort bringt sie meine Gefühlssaiten zum Schwingen! Auch wenn ich jetzt wieder viel zu lange auf neuen Stoff warten muss, habe ich mit Herzensfreuden diesen zweiten Teil verschlungen. Amy und Nakos sind purer Zucker mit der richtigen Prise Drama.

Amy muss nach der Scheidung von ihrem gewalttätigen Ehemann einen Weg finden, ihr Leben wieder aufzunehmen. Tatkräftig wird sie dabei von Olivia unterstützt, in dem sie auf der Wildflower Ranch wohnen und arbeiten darf. Aber nachdem ihre beste Freundin ihren Nate geheiratet hat, braucht sie eine neue Bleibe. Nakos, ihr Freund seit Kindertagen und schon immer in Olivia verliebt, lässt sie bei sich wohnen. Das wird zur Geduldsprobe, da beide eine Anziehungskraft spüren, von der Amy aber überzeugt ist, dass sie nur einseitig ist. Ihre Vergangenheit hat schwer an ihrem Selbstbewusstsein genagt und tiefe Wunden hinterlassen, sodass sie es nicht schafft zu sehen, was Nakos ihr geben möchte… 

Wundervoll! Ich weiß nicht, was ich noch mehr sagen soll. Kelly Morans Geschichten sind wie ein heißes Bad nach einer Wanderung im kniehohen Schnee: Wärmend, prickelnd, aber ein bisschen Schmerz ist auch dabei. Ich mag es, wie sie ihre Geschichte auf zwei Menschen reduziert, aber nicht nur das sexuelle Verlangen in den Mittelpunkt stellt, sondern vor allem tiefgehende Emotionen erzeugt und beschreibt. Es geht nicht nur um Liebe, es geht auch um Schmerz, Unzulänglichkeiten, Selbstzweifel, Angst, Verlust, Loyalität, Treue und Freundlichkeit. Es ist bemerkenswert, wie Moran diesen Cocktail mixt, ihn mir einflößt und ich dann wie eine glückliche Betrunkene auf meinem Sofa liege.

Nakos finde ich absolut wunderbar. Er ist stark, stolz und stoisch, aber auch absolut liebevoll und hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Nicht umsonst verpasst Amy ihm den Spitznamen Alpha-Nakos. Es ist total schön mit zu verfolgen, wie er seine Gefühle für Amy entdeckt und ihr dabei Mut und Kraft schenkt, sich selbst zu akzeptieren. Denn nicht nur ihre beschissene Ehe hat Amy geprägt, sondern auch ein liebloses Elternhaus und eine furchtbare Tat in einer dunklen Gasse. Amys äußere Fassade ist bewundernswert, aber ihre Seele braucht Hilfe. Auch wenn Nakos ihr viel gibt und für sie tut, finde ich es nicht ausreichend, dass Amy in ihm ihre Liebe des Lebens findet. Sie sollte in psychologische Behandlung, um ihre Dämonen zu behandeln (ebenso wie Nate aus Teil 1 übrigens). Da geht die Autorin nicht zu sehr in die Tiefe, was auch ok ist, weil sie nun mal eine andere Art von Geschichte schreiben möchte.

Ich bin und bleibe ein Fangirl und trage die Geschichten von Kelly Moran immer noch eine Weile mit mir, weil sie mich so berühren. Das zeigt doch wahres Talent der Autorin. Ich bin gespannt, was die Autorin zukünftig noch zu bieten hat. 

Meine Herzchenbewertung:

♥♥♥♥♥/♥♥♥♥♥

The Secret Bookclub II

Die Liebesroman-Mission

Die Geschichte von Liv & Mack

2020 ♥ KYSS Verlag ♥ 410 Seiten ♥ 30 Kapitel + Epilog

„Okay. Das sind die Regeln: Jeder von uns kauft mindestens ein Buch für den Club, das als unsere nächste Lektüre in Frage kommt. Niemand versteckt das Cover. Und wenn euch irgendwer darauf anspricht, ihr kauft es nicht als Geschenk. Ihr kauft es für euch selbst. Noch Fragen?“ 

The Secret Bookclub II – Die Liebesroman-Mission, S. 9

Der beste Buchclub ever!

Mann, auf dieses Buch habe ich vielleicht hingefiebert! Band 1 hat mich so weggeflasht und obwohl ich Liv eigentlich nicht recht leiden konnte, ich aber wusste, dass sie die nächste Hauptfigur sein würde, freute ich mich wie ein Schnitzel auf den 18.08.2020. Nun endlich besitze ich das Buch und konnte nicht an mich halten: Innerhalb weniger Stunden hatte ich den Inhalt inhaliert. Was soll ich sagen? Ich liebe einfach diesen Buchclub 😀 

Liv arbeitet in einem Nobelrestaurant und hat einen herrschsüchtigen Arschlochchef. Als sie herausfindet, was bei ihm hinter verschlossenen Türen treibt, wirft er sie achtkantig raus und verspricht ihr, dass sie nie wieder einen Fuß in die Jobwelt kriegen würde. Liv ist angestachelt und will sich gegen ihn stellen. Doch das ist nicht so einfach wie gedacht. Und dann ist da Braden Mack, seines Zeichens Gründer des Secret Book Club und ausgezeichneter Frauenversteher, der meint, ihr bei ihrer Mission helfen zu können. Liv hat darauf jedoch gar keine Lust und Mack beißt sich an ihr die Zähne aus… 

Ich lese die ersten Seiten und lache. Und ich bin erleichtert. Denn Lyssa Kay Adams kann halten, was sie in Band 1 versprochen hat: prickelnde und sehr humorvolle Unterhaltung. Natürlich spielt dabei ganz besonders der Buchclub eine Rolle. Die Jungs sind zum Schießen und einfach wundervoll. Ich lache und leide mit ihnen und liebe die tiefgründigen, aber auch lustigen Dialoge der Männer. Es ist so charmant, wie diese Kerle gemeinsam in einen Buchladen gehen und die völlig vom Testosteron überforderte Buchhändlerin nach der Ecke mit der „Romance“ fragen. Ich schmeiß mich weg und wünschte, mir würde so was passieren. Ich würde dann aber gleich mitgehen und ihnen die besten Bücher aus dem Bereich empfehlen… *schwärm*

Genug davon! *räusper* Bevor ich völlig in meiner eigenen Fantasie versinke, möchte ich euch doch lieber mitteilen, wie wundervoll auch dieser zweite Band ist. Er hat mich nicht ganz so sehr umgehauen, wie der erste, da mich die Chemie zwischen Thea und Gavin einfach etwas mehr mitgenommen hat, als die zwischen Liv und Mack, aber trotzdem bin ich begeistert. Denn, Leute, ich konnte Liv in Band 1 gar nicht leiden! Mann, mit ihrer männermordenden Einstellung ging sie mir echt auf den Keks. Das wird in diesem Buch noch etwas potenziert, da sie auf einem Bauernhof lebt, der von einer harten Feministin geführt wird, aber irgendwie hat das dann doch auch totalen Charme. Denn Rosie, die Hardcore-Tante, hat ihre Meinung, die sie vertritt und verteidigt, ist aber gleichzeitig handsam wie eine schnurrende Katze, wenn es um „ihren Mitbewohner“ Hops geht, in den sie eindeutig verschossen ist. Und genauso ist Liv: ein Hund, der bellt, aber nicht beißt. Sie wurde verletzt und Vertrauen aufzubauen, fällt ihr sehr schwer. Sie lässt lieber niemanden an sich heran, bevor sie sich noch einmal so einem Schmerz aussetzen muss. Das lässt sie sehr kratzbürstig erscheinen, aber – wie nicht anders zu erwarten – ist sie eine wundervolle, liebe junge Frau, die auch einfach mal eine starke Schulter zum Anlehnen braucht (ich beziehe mich hier auf eine Szene im Buch, die so… hach, lest selbst… *seufz*). 

Mack ist eine interessante Mischung aus Softie und Sexbombe. Er wünscht sich eine Prinzessin, genau wie in den Liebesromanen, die er schon seit vielen Jahren liest, doch keine scheint die Richtige zu sein. Obwohl er genau das tut, was die Helden in seinen Romanen tun, um die Frauen an ihrer Seite glücklich zu machen, fehlt das Gefühl. Das gewisse Etwas. Und als er das endlich in Liv findet, wehrt sie sich mit Händen und Füßen gegen ihn. Und zu allem Überfluss hält er auch noch etwas vor ihr geheim, was sie nur noch schneller rennen lassen würde… Es ist irgendwie ein total klassisches Liebesroman-Thema und doch finde ich, dass die Autorin es neu interpretiert und ich nicht unbedingt voraussehen konnte, wie sich alles entwickeln würde. Total toll finde ich ja, dass Livs und Macks Geschichte genauso eine ist, wie Mack sie am liebsten liest: eine Enemies-to-Lovers-Story. Und durch eben so einen Roman erkennt auch Liv ihre Gefühle. Ich mag solche Spiele auf mehreren Ebenen wirklich sehr! 

Wichtig finde ich auch die Thematik der „Mission“ – es folgen nun Spoiler. Livs Chef nutzt seine Machtposition als Chef und als erfolgreicher Star in der Szene aus, um Frauen dazu zu bringen, sexuell gefällig zu sein. Es ist absolut widerlich, wie er die Nöte seiner Mitarbeiterinnen ausnutzt und mit der Scheiße auch noch durchkommt. Es ist toll, dass Liv als Heldin sich gegen ihn stellt, aber auch so ihre Fehler macht – besonders was die Opfer angeht. Sie ist zu forsch und kann nicht verstehen, wie man so etwas mit sich machen lassen kann. Dabei merkt sie nicht, in was für eine Lage sie die Opfer bringt, die sich nur noch mehr schuldig und schamhaft fühlen. Ich finde das sehr gut dargestellt und nachvollziehbar rübergebracht, warum die Frauen sich nicht gegen dieses Ekel wehren. Es ist ein Thema, das aktueller ist denn je und hoffentlich bei allen zum Nachdenken anregt. Nicht weggucken, sondern mithelfen ist die Devise! 

Spoiler Ende – Dieses Buch zeigt wundervoll und auf ganz unterschiedliche Weisen, wie wichtig Zusammenhalt ist. Liv, mit dem, womit sie sich rumschlagen muss und Mack mit den Jungs vom Buchclub. Mir schießen die Tränchen ein, wenn ich dran denke, wie die Jungs ihn an einer Stelle des Buches in eine Gruppenumarmung nehmen… Ah, Gänsehaut-Alarm! 🙂 Hach, ihr merkt, ich bin verliebt! 

Mir bleibt am Ende nur zu sagen, wie sehr ich mich auf Band 3 freue! Die Katzen-Café-Lady Alexis und der IT-Nerd Noah habens mir ja schon voll angetan. Aber mich erwartet jetzt erstmal wieder eine laaaange Wartezeit… 

Meine Herzchenbewertung:

♥♥♥♥♥/♥♥♥♥♥

Never let me down

2020 ♥ LYX Verlag ♥ 384 Seiten ♥ 32 Kapitel, unterteilt in 4 Teile Extra: Leseprobe zu „The Ivy Year 1 – Bevor wir fallen“

Eine andere Sarina Bowen

I am your double negative
Where everything wrong turns right

Never let me down, S. 383

Bisher habe ich jedes Buch von Sarina Bowen gelesen und es war klar, dass auch „Never let me down“ auf meinem Nachtschrank landen würde. Es ist ein Einzelband und dreht sich laut Klappentext um eine Highschoolschülerin mit bewegter Vergangenheit und aussichtsreicher Zukunft. Prinzipiell ist das nicht schlecht, aber es ist für die Autorin ungewöhnlich. Ich war vor dem ersten Satz sehr gespannt, ein wenig skeptisch und voller Vorfreude auf eine typische Sarina-Bowen-Romanze.

Rachel ist siebzehn Jahre alt und hat ihre Mutter verloren. Ihr Vater ist ein berühmter Rockstar, der sich nie um sie bemüht hat. Sie lebt in einem Pflegeheim, da sie nirgends anders wohnen kann. Das rüttelt ihren Vater auf; er bläst alle Konzerte ab und will sie bei sich aufnehmen. Nicht nur, dass sie so in ein völlig neues Leben katapultiert wird; sie hat die Möglichkeit, dass Claiborne Internat zu besuchen und danach am hiesigen College zu studieren. Um schon erste Fragen zum Studium stellen zu können, wird ihr Jake als Tutor zugewiesen, mit dem sie sich über Mails austauscht. Und als sie ihn das erste Mal sieht, ist es um sie geschehen. Doch es gibt zu viel Unbeständiges in ihrem Leben, weshalb sie erst einiges klären muss, um glücklich zu werden…

Dieses Buch ist völlig anders als alles, was ich zuvor von der Autorin gelesen habe. Versteht mich nicht falsch, es hat eine große Sogkraft, lebt von liebevollen und ausdrucksstarken Charakteren und erzählt eine unheimliche süße Liebesgeschichte. Aber es schlägt irgendwie einen anderen Ton an. Es fühlt sich mehr wie ein Jugendroman an, der die Höhen und Tiefen der Adoleszenz abbildet und dabei eine ebenso traurige, berührende wie humorvolle Geschichte erzählt. 

Dreh- und Angelpunkt ist die Beziehung von Rachels Eltern – sowohl zueinander als auch zu ihrer Tochter. Rachels Mutter verstirbt, doch zuvor haben sie wie Pech und Schwefel zueinandergestanden. Ihre Mutter sagt ihr, wer ihr Vater ist, spricht aber sonst nicht über ihn oder die Beziehung zu ihm. Sie wirkt etwas verbittert und stellt klar, dass Männer nicht glücklich machen. Damit prägt sie Rachel sehr – nicht nur, dass sie Vorbehalte gegenüber ihrem Vater hat, sie kann sich auch nicht recht auf eine Beziehung einlassen. Als sich ihr Vater, Freddy Ricks, entscheidet, sie bei sich aufzunehmen, bis sie aufs Internat geht, ist ihre Beziehung durch viel Schweigen gekennzeichnet. Beim Lesen schauen wir in Rachels Kopf hinein und spüren all ihre Gefühle, doch sie sagt nichts. Das hat mich teilweise richtig sauer gemacht. Es ist zwar eine richtige Beobachtung von der Autorin, dass Teenager meist ihre Gefühle für sich behalten und viel in sich hineinfressen, aber das ist nicht minder frustrierend! Ich hätte mir an so vielen Stellen gewünscht, dass Rachel ausbricht und ihren Vater anschreit und ihren Gefühlen freien Lauf lässt. Doch sie ist eine stille Beobachterin, die alle Emotionen in sich einschließt. Es ist eine feinfühlige, genaue und vielleicht sogar äußerst realitätsnahe Erzählung, aber es hinterlässt auch einen wehmütigen Nachgeschmack. Wenn Frederick und Rachel einen Schritt aufeinander zu gehen, wird es nicht lange dauern und sie entfernen sich wieder fünf Schritte voneinander. Das ist zermürbend, zugleich aber authentisch und in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Es zeigt sich auch hier wieder Sarina Bowens Talent für die Charakterisierung von tiefgründigen Figuren.

Mit leichtem Aufatmen waren für mich die Szenen zwischen Jake und Rachel verbunden. Hier war die Leichtfüßigkeit und der Humor der Autorin in jeder Zeile zu spüren. Erst die Mails, die unglaublich cool sind und dann das Aufeinandertreffen. Die Unsicherheiten der beiden Teenager kommen gut zum Tragen und ergeben total Sinn. Jake, der sich neben seinem „Arschgesicht“-Bruder zu positionieren versucht und Rachel, die ihre Mutter wie ein Mahnmal auf der Schulter zu sitzen hat, dass Beziehungen immer zum Scheitern verurteilt sind. Ich bin vor lauter süßem „er ist viel zu hübsch“- und „er ist ein cooler Astronerd“-Geplänkel nur so dahingeschmolzen. 

Ein kurzer Satz zum Zitat: Vater und Tochter haben ein schlaues Spiel miteinander, dass sich auf Sprache bezieht. Da bin ich ja sowieso schon mal begeistert. Aber natürlich zaubert der Rockstar-Daddy dann auch noch einen tollen Song aus dem Hut, der mir Gänsehaut von der Kopfhaut bis in die Zehenspitzen beschert hat 😉 

In diesem Zusammenhang kurz zum Titel: ich dachte ja, das „Never let me down“ ein Song werden würde, der die Beziehung von Vater und Tochter umfasst. Dem ist nicht so. Leider handelt es sich hierbei um einen zwar irgendwie passenden, aber auch irgendwie irreführenden Titel. Der Originaltitel „The Accidentals“ also „Die Unfälle“ ist aber auch irgendwie nicht schmeichelhafter… 

Es ist alles in allem eine wunderschöne Geschichte, die eine kaputte Vater-Tochter-Geschichte aufarbeitet und die Hürden des Erwachsenwerdens beleuchtet. Sie macht Spaß, ist aber schon anders als das, was wir sonst von der Autorin gewohnt sind. Ich konnte die Geschichte lockerflockig durchlesen und wollte schon auch wissen, wie es weitergeht, doch im Endeffekt war ich etwas enttäuscht. Ich kann gar nicht so recht festmachen, woran das liegt, aber ich habe die ganze Zeit auf irgendwas gewartet, was nicht kam. Das wird mich aber definitiv nicht davon abhalten, trotzdem jedes Buch zu lesen, das mir von der Autorin in die Hände fällt 😉

Meine Herzchenbewertung:

♥♥♥♥/♥♥♥♥♥