Liebe mich. Nicht.


cbj Verlag | Don’t #1 | 432 Seiten | 9783570165980 | 12,90€ | Oktober 2020
Von Lena Kiefer habe ich schon unglaublich viel gehört. Vor allem von ihrer Fantasy-Reihe Ophelia Scale. Aber gelesen habe ich leider noch nichts von ihr. Das wollte ich schnellstens ändern und da kam mir doch sehr gelegen, dass sie eine New-Adult-Reihe im cbj-Verlag herausgebracht hat – Ophelia Scale möchte ich aber auch noch dringend lesen! Ich muss leider zugeben, dass ich etwas kritisch bin, was die Reihe angeht, da es sich um eine Liebesgeschichte handelt, die über drei Bücher gestreckt wird. So was mag ich eigentlich nicht, da meistens Handlungen unnötig in die Länge gezogen werden und Paare sich verlieben, trennen, versöhnen, trennen, lieben, trennen, es geht einfach nicht, es tut so weh, ich liebe dich so, es geht nicht, blablabla und so weiter. Doch ich bin trotzdem voller freudiger Erwartung und hoffe, dass Lena Kiefer mich von dieser Art des Erzählens überzeugen kann.
Kenzie lebt im wunderschönen Schottland und möchte Innendesign studieren. Dafür bekommt sie die Chance, in der alten Heimatstadt ihrer Mutter ein Praktikum zu absolvieren, dass ihr helfen soll, an ihrer Wunsch-Uni aufgenommen zu werden. Schon am ersten Tag ihrer Ankunft trifft sie im Supermarkt nicht nur Menschen, die sie aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu ihrer Mutter erkennen, sondern auch auf einen sehr attraktiven jungen Mann, der zwar arrogant erscheint, aber auch ziemlich interessant. Er ist Lyall Henderson, Sohn einer Hotelkettendynastie und Geächteter der Stadt, weil er vor Jahren etwas Unverzeihliches getan hat. Die Stadt und die Familie verbieten ihm, den Mädchen der Stadt näher zu kommen. Doch Kenzie ist kein Mädchen der Stadt…

Ich war dabei, mich zu verlieben. In Mister Darcy höchstpersönlich, Stadtfeind von Kilmore, unhöflichster Supermarktbesucher des Jahres. Trotzdem konnte ich nicht verhindern, dass ich lächelte, als ich es bemerkte. Denn trotz allem, was ich über ihn wusste oder auch nicht, machte mir dieses Gefühl keine Angst. Ganz im Gegenteil. – S. 279
Das erste, woran ich denke, wenn ich an diesen Plot denke? Ein klassisches Drama. Ich bin der Meinung, dass Dramen nur in längst vergangenen Zeiten funktionieren, da es nur zu diesen Zeiten solch verstaubte Regeln gab, die irgendwem irgendwas verboten, da es „dem Ansehen der Familie“ schaden könnte, aber es ist in der Literatur nun mal ein allzu beliebtes Motiv. Das nehme ich auch hin, wenn es gut in die Neuzeit übersetzt wird. Ich finde, dass ist der Autorin nur teilweise gelungen. Mir sind manche Handlungen der Großmutter einfach zu übertrieben, z.B. die Sache mit Lyalls Onkel, der aus der Familie verstoßen wird, weil er Dinge getan hat, die die Großmutter inszeniert hat. Aber ich nehme hin, dass Familien mit Status den Anschein wahren wollen und deswegen Paare, die sich lieben, gezwungen werden, getrennt voneinander zu leben. Auch wenn ich das Thema überholt finde, ist es doch je nach Erzählung immer wieder spannend. Und eine gewisse Spannung kann ich der Geschichte nun wirklich nicht absprechen.
Es ist zu merken, dass Lena Kiefer eine routinierte Autorin ist, die schon so einige Geschichten gebaut hat. Die Charaktere und der Plot haben Hand und Fuß und sind (bis auf eben genanntes) sehr nachvollziehbar. Die Geschichte hat Zeit sich zu entfalten und auch die Figuren haben Luft, sich vorzustellen. Das ist der Vorteil an einer Geschichte, die über drei Bücher erzählt werden darf: Die Autorin hat Platz zu erzählen. Das birgt aber auch die Gefahr, das Längen entstehen. Das Gefühl hatte ich in diesem ersten Band nur teilweise. Die Kapitel sind kurz gestaltet und springen zumeist zwischen weiblicher und männlicher Hauptfigur hin und her. Zwischen Lyall und Kenzie ist es nicht Liebe auf den ersten Blick – sie haben Zeit sich zu beschnuppern und sich kennen zu lernen. So was mag ich sehr. Es fühlt sich realistischer an, wenn die Figuren erst zu Freunden werden und sich dann erst mehr entwickelt. Außerdem macht es hier auch den Reiz aus, da sie ja wissen, dass sie nicht zusammen sein sollten. Der aufgebaute Spannungsbogen gefällt mir also sehr gut.
Was mich nicht so überzeugt hat, waren die letzten hundert Seiten. Da fing das Drama an sich zuzuspitzen. Mit den ersten Entwicklungen konnte ich noch leben, aber was zuletzt geschehen ist… Puh. Da wird dann ganz deutlich, dass ein Showdown kommen muss, um den Leser/ die Leserin bei der Stange zu halten. Ich bin von diesem Schema F nicht überzeugt und hatte etwas anderes erwartet.
Trotzdem mochte ich das Buch. Das Ende ist nicht gelaufen wie von mir erhofft und ich kann mir in Ansätzen vorstellen, wie es weitergeht, aber ich würde nicht behaupten, dass die Geschichte komplett vorhersehbar ist. Ich mag Kenzie und ihre tolle Familie, ich mag Lyall, obwohl er diese komische Familie hat. Ich will wissen, wie es mit Finlay und Edina weitergeht und mehr über Kenzies Schwestern erfahren (jede von ihnen hätte übrigens einen eigenen Band verdient ;-)). Und natürlich will ich auch wissen, wie es mit Lyall und Kenzie weitergeht. Dennoch drücke ich auch die Daumen, dass die Dramaschraube nicht mehr allzu festgezogen wird…
Wie hat dir „Don’t love me“ gefallen? Lass mir gern einen Kommentar da!
Danke fürs Lesen!
Bis zum nächsten Mal,
L🖤L


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