
Es folgen nun Rezensionen zu den einzelnen Teilen der Buchreihe. Für alle diejenigen unter euch, die die Reihe noch nicht gelesen haben, muss ich eine Spoilerwarnung aussprechen.
Selection
Die Chance ihres Lebens?


2013 | Sauerländer Verlag | 366 Seiten | 25 Kapitel
Der erste Band der Selection-Reihe ist ein typischer Auftakt, der den Aufbau und die Hintergründe der Welt, in der wir uns befinden, erklärt und das Hauptziel der Erzählung erläutert.
Es handelt sich bei Selection um eine Dystopie, die in unserer Zukunft spielt, sich aber auf Amerika konzentriert. Es sind vier Weltkriege über die Länder gezogen und die Monarchie ist wieder eingekehrt. Die Gesellschaft gliedert sich in acht Kasten, die durch Reichtum bzw. Armut und das Tätigkeitsfeld der Menschen definiert werden. America Singer und ihre Familie sind in der Kaste 5, was bedeutet, dass sie zum ärmeren Teil der Bevölkerung gehören und im Bereich der Künste ihr Geld verdienen. So kann America z.B. sehr gut singen und mehrere Instrumente spielen.
Der Thronfolger Maxon braucht eine Frau an seiner Seite, weshalb er zum „Braut-Casting“ aufruft. Mädchen aus dem ganzen Land haben die Chance, die Gunst des Prinzen zu gewinnen und Prinzessin zu werden. Damit können die Mädchen nicht nur sich, sondern auch ihre Familie aus der Armut oder sonstigen prekären Situationen hinauskatapultieren. Aus allen Kasten werden 35 Mädchen ausgewählt, die am Hof zurechtgemacht werden und Zeit mit Maxon verbringen sollen. Er entscheidet, wer geht und wer bleibt. Sei es aufgrund von Sympathie oder aber, weil die aufgestellten Regeln missachtet werden.
America möchte nicht an dem Casting teilnehmen, da sie bereits in Aspen verliebt ist. Dieser ist jedoch eine Kaste unter ihr, was bedeutet, dass eine Heirat zwischen den beiden nicht schicklich wäre. Er drängt sie, am Casting teilzunehmen. Auch wenn es America nicht zusagt, nimmt sie teil und schnell verbindet sie und Maxon eine Freundschaft. Doch ihre Gefühle verändern sich und werden immer wieder auf die Probe gestellt…
Kiera Cass hat einen tollen und flüssigen Schreibstil, sodass sich die Geschichte fluchs durchlesen lässt. Auch die Handlung an sich ist sehr antreibend, da man natürlich unbedingt wissen will, wen Bachelor Maxon „rausschmeißt“ und was sich zwischen ihm und America entwickelt. Ich finde nur irgendwie schade, dass total vorhersehbar ist, dass America auf jeden Fall im Wettbewerb bleiben wird und Maxon allzu vernarrt in sie ist. Sie struggelt aufgrund ihrer Gefühle zu Aspen, aber trotzdem ist mir klar, wie das erste Buch enden wird. Trotzdem kann ich mich der Geschichte nicht entziehen und bin gespannt, wie es mit der „Elite“, also den sechs verbliebenen Mädchen, weitergeht. America ist eine tolle Hauptfigur, die sehr charakterstark wirkt und den anderen Mädchen einiges voraushat. Ich mag sie und fiebere mit ihr. Maxon ist mir noch ein wenig zu blass. Er ist süß mit seiner vornehmen und fast jungfräulichen Art, aber auch ein bisschen langweilig. Mal sehen, ob und wie die Autorin mehr Schwung in den zweiten Teil hereinbringen kann.

„Mein Vater und meine Mutter haben sich durch das Casting gefunden und sind glücklich miteinander. Ich hoffe, dass auch ich auf diesem Wege mein Glück finden werde. Eine Frau, die alle Menschen in Illeá lieben können, die meine Gefährtin ist und die mit politischen Führern aus aller Welt sprechen kann. Die sich mit meinen Freunden anfreundet und meine Vertraute ist. Ich bin bereit, nach meiner Frau Ausschau zu halte und sie aktiv zu suchen.“ – S. 133
Selection – Die Elite
Das ganz große Glück?


2014 | Sauerländer Verlag | 376 Seiten | 31 Kapitel
Nachdem die Zahl der Mädchen von 35 auf 6 gesunken ist, wird der Wettstreit um den Prinzen immer deutlicher. Auch wenn Maxon immer wieder beteuert, America ganz verfallen zu sein, geht er auffallend oft auch auf Tuchfühlung mit den anderen Mädchen. America ist völlig hin und hergerissen: Sie hat Gefühle für Maxon, hat aber große Angst und Zweifel vor der Position als Prinzessin und Aspen, der als königlicher Soldat im Palast zugegen ist, zerrt zusätzlich an ihren Nerven. Neben dem Gefühlswirrwarr steht nun auch das politische Geschehen im Vordergrund. Zum einen durch die Rebellen, die immer wieder den Palast stürmen und scheinbar skrupel- und ziellos Menschen in den Tod reißen und zum anderen durch Americas Studien im Tagebuch des Gregory Illeá, dem Gründer des Staates Illeá.
Dieser zweite Band ist wesentlich spannender und hat mich emotional auch mehr mitgehen lassen. Auch wenn das ganze Politische für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich und eindimensional ist, bringt es Tiefgründigkeit und Drive in die Handlung. Americas Wankelmütigkeit lässt mich beinah aus der Haut fahren. Das sie zwischen zwei Männern steht, ist zwar offensichtlich, aber auch sehr konstruiert. Einerseits grämt sie sich vor Eifersucht, wenn Maxon eine andere auch nur anschaut, andererseits trifft sie sich im stillen Kämmerlein mit Aspen. Es ist faszinierend, dass die beiden Männer das mitmachen. Maxon weiß zwar nichts von Aspen, aber seine Geduld ihr gegenüber, ob sie sich denn nun eine Zukunft im Palast vorstellen kann, ist fast unerträglich. Für mich ist er zu nett und nachgiebig. Erst im letzten Drittel des Buches wird er interessant, da er endlich mal Charakter zeigt. Aspen verstehe ich eigentlich überhaupt nicht. Er läuft America hinterher, die ganz eindeutig Gefühle für einen anderen Mann hat und trotz dieser Gefühle mit ihm rummacht. Das ist unfair und verletzend, aber er macht es mit. Der Grund ist natürlich, dass er unsterblich verliebt ist. Mir ist das zu wenig. Auch wenn es fiel für mich zu meckern gibt, weiß ich, dass ich mit dem Erfahrungsschatz einer dreißigjährigen Vielleserin dieses Buch lese. Wäre ich ein Teenie, würde ich die Geschichte genauso wie sie ist lieben. Das Leben am Hof und das Triangle zwischen Maxon, America und Aspen ist der Stoff, aus dem Mädchenfantasien gestrickt werden. Ich kann mich dem nicht entziehen und will trotz aller Kritik gerne wissen, wie es ausgeht!

Ich musste mich entscheiden. Aspen oder Maxon. Aber wie sollte ich mich entscheiden? Wie sollte ich eine Wahl treffen, die auf jeden Fall einen Teil von mir unglücklich machen würde? Am Ende tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass mir noch Zeit blieb. Mir blieb immer noch Zeit… – S.40
Selection – Der Erwählte
Die Entscheidung ihres Lebens


2015 | Sauerländer Verlag | 366 Seiten | 32 Kapitel + Epilog | Extra: Leseprobe zu „Atlantia“
Die Lage spitzt sich zu. Nicht nur zwischen den Favoritinnen des Prinzen, sondern auch die politische Situation. Dieser Band hat mir wirklich mit Abstand am besten gefallen, da hier über das heimliche Treffen im Garten und das geflüsterte Rebellieren weit hinaus gegangen wird. America entwickelt sich zum Vorbild, zumindest was ihre Haltung zu gesellschaftlichen Dingen angeht. Da erinnert sie mich sehr an Katniss aus „Die Tribute von Panem“. Was ihre Liebeleien angeht, finde ich sie bis zum Schluss viel zu wankelmütig, egoistisch und infantil. Aber auch Maxons Reaktion finde ich sehr fragwürdig. Das er gespürt hat, dass da was im Busch ist, ist ja noch ok, aber dieser Ausraster und dann dieser Stimmungsschwenk um 180 Grad war mir dann doch zu viel. Ich verstehe seine „Erleuchtung“ zwar im Zuge der Situation, aber das ging mir alles zu schnell und zu holprig. Trotzdem ist dieses Buch sehr mitreißend und entwickelt sich zu einem tollen Finale. Es ist zu spüren, dass die Reihe für ein eher jüngeres Publikum gedacht ist und mit der Naivität und dem Gefühlswirrwarr der Adoleszenz kämpft.
Insgesamt ist „Selection“ eine Buchreihe, die sehr romantisch, unterhaltend und spannend ist. Ich verstehe sehr gut, warum sich Netflix entschlossen hat, daraus eine Serie zu machen. Wenn die Drehbuchschreiber vielleicht hier und da noch an den Charakteren und der Handlung drehen, kann es ein ganz fantastisches Fernseherlebnis werden.

„Wie viele Male soll ich mir noch von dir das Herz brechen lassen, America? Glaubst du ernsthaft, ich würde dich heiraten, dich zur Prinzessin machen, obwohl du mich fast während der gesamten Dauer unserer Beziehung belogen hast? Ich habe nicht vor, mich für den Rest meines Lebens so quälen zu lassen.“ – S. 318
Wie hat dir „Selection“ gefallen? Lass mir gern einen Kommentar da!
Danke fürs Lesen!
Bis zum nächsten Mal,
L🖤L

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