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Rezension | Nena Tramountani – Try & Trust


Vom Versuchen & Vertrauen



Penguin | Soho Love #2 | 464 Seiten | 9783328106210 | 12,00€ | Mai 2021


„Fly & Forget“ war das erste Buch, das ich von Nena Tramountani gelesen habe. Es hat mich buchstäblich aus den Socken gehauen. Die Emotionen haben mich in den Orbit katapultiert und für eine Weile dort schweben lassen. Noahs und Livs Geschichte habe ich als besonderes und unvergessliches Leseerlebnis abgespeichert und war nun natürlich sehr gespannt, auf das, was folgen würde. Matilda hatte mich mit ihrer selbstsicheren Art schon total für sich eingenommen, sodass meine Erwartungen echt hoch angesetzt waren.

Klappentext: Matilda hat das Drama um die Liebe satt. Die Psychologie-Studentin ist sich sicher, dass man keinem Mann trauen kann. Davon versucht sie auch ihre Mitbewohnerin Briony zu überzeugen, die sich in den gut aussehenden Künstler Anthony verliebt hat. Denn Matilda durchschaut sofort, dass er mit ihrer besten Freundin spielt. Um Briony noch größeren Herzschmerz zu ersparen, geht sie einen gefährlichen Deal mit Anthony ein: Wenn er endlich aufhört, Briony falsche Hoffnungen zu machen, lässt Matilda sich von ihm malen – und zwar nackt. Doch mit jedem Pinselstrich erinnert er sie nicht nur an ihren längst begrabenen Traum, sondern auch an den Menschen, der sie früher war. Und plötzlich beginnt ihre Fassade zu bröckeln …


„Aber du… keine Ahnung, du bist so sehr du selbst, dass es unmöglich ist, in deiner Anwesenheit an jemand anderen zu denken. Außerdem… tauchst du deine ganze Umgebung in Farben. Ich schau dich an und ertrinke in Farben.“
– S. 328


Ich kann nicht sagen, dass diese Erwartungen nicht erreicht wurden. Das Buch ist verdammt gut geschrieben und überzeugt in allen handwerklichen Fragen. Alles wird sehr eindrucksvoll und atmosphärisch beschrieben, sodass ich richtig in die Geschichte und die Gefühlswelt der Protagonisten hineingezogen wurde. Doch ich muss zugeben, dass mich die Emotionen diesmal ein wenig erdrückt haben. Es kann natürlich an meiner seelischen Verfassung liegen, dass ich das so empfunden habe, aber die Dramatik und Gefühle haben mich überfordert. Die Stimmung ist drückend, dann wieder lässig, kurzzeitig ist es lustig, dann wieder düster und absolut schwermütig. Das ist ein Cocktail, der für meinen Geschmack etwas zu hochprozentig war.

Matilda und Anthony sind zwei Künstlerseelen, die ziemlich verkorkst sind. Sie schleppen seelische Traumata mit sich herum und kämpfen mit ihrer angeknacksten Psyche. Daneben verbindet sie die Kunst. Eigentlich finde ich die Künstlerszene immer etwas anstrengend und kann ehrlicherweise nicht viel mit van Gogh und Co. anfangen, aber ich finde hier die Thematik sehr gut und angenehm eingebettet, sodass das Künstlerische zwar eine tragende Säule der Geschichte ist, aber keine verkappte Kunstgeschichtsvorlesung.

Das erste Drittel der Geschichte empfand ich als sehr nervlich aufreibend und ich hatte auf Entspannung und Entwicklung gehofft. Diese Gefühle hat vor allem Matilda in mir hervorgerufen. Ich finde, sie ist wirklich eine coole Socke, die schlagfertig ist, durchsetzungsstark und mutig. Vor allem Briony gegenüber ist sie absolut selbstlos, was ich etwas bedenklich finde und auch ihren krassen Beschützerinstinkt ist ziemlich heftig, aber irgendwie macht sie das auch bewundernswert. Es ist zu viel, aber in Maßen könnte man sich etwas bei ihr in dieser Richtung abschneiden! Manchmal ist sie mir aber einfach zu negativ. Es ist zwar plausibel, dass sie handelt, wie sie handelt, trotzdem ist es für mich streckenweise sehr anstrengend. Auch die Wortgefechte mit Antony sind echt legendär, aber auch unterschwellig toxisch, was jedoch in der Entwicklung sehr gut weggearbeitet wurde. Dass sie viel Party macht und Sex nichts Besonderes für sie ist, ist ok, aber nicht meins. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen finde ich so ein ausschweifendes Verhalten irritierend und hat für mich weder etwas mit Lebenslust noch Freiheit zu tun. Doch auch dieses Verhaltensmuster wird schlussendlich gut durch die Autorin durchbrochen. Matilda ist eine unverschämte aber ebenso liebenswürdige junge Frau, die das Potential hat, die Gemüter der Leser*innen zu spalten.

Anthony hingegen wirkt dabei wie ein ruhiger See, über den ein Wirbelsturm hinweg zieht. Ich habe ihn im ersten Buch völlig anders eingeschätzt und bin total überrascht von diesem mitfühlenden und zuvorkommenden jungen Mann. Seine Lebensgeschichte macht dieses Verhalten absolut nicht selbstverständlich, aber ich liebe es, dass er nicht in die Selbstzerstörunungs-Road eingebogen ist. Er ist kein Bad Boy; er ist ein guter Kerl, der durch seine Kunst spricht und lebt, der auch unsicher und verlegen ist und im nächsten Moment selbstsicher und stark sein kann. Ich mag diese Wankelmütigkeit in seinem Auftreten, da sie ihn menschlich und greifbar macht. Er ist im besten Sinne weich und zurückhaltend, aber genauso ein Kämpfer, der mehr als einen Arschtritt vom Leben zu verkraften hat. Für mich ist er der Sympathieträger der Geschichte und das hätte ich vor der Lektüre dieses Buches nicht für möglich gehalten.

„Try & Trust“ ist ein fesselndes Buch, das mich für einige Stunden an meinen Lesesessel gekettet hat. Doch es ist auch ein Buch, das schmerzt. Die Konflikte und Gefühle sind alle sehr nachvollziehbar und erlebbar, aber in ihrer Intensität auch teilweise schwer aushaltbar. Auch wenn ich diesmal nicht ganz in der richtigen Stimmung war, bin ich überzeugt von diesem emotionsschwangeren Werk und bin beeindruckt vom Können der Autorin. Ich will mehr davon und bin nach meinen ziemlich unterschiedlichen Leseeindrücken von Band 1 und 2 sehr gespannt, welche Saite der dritte Band in mir anschlagen wird.


Wie hat dir „Try & Trust“ gefallen?
Lass mir gern einen Kommentar da!


Danke fürs Lesen!
Bis zum nächsten Mal,
L🖤L



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2 Antworten auf “Rezension | Nena Tramountani – Try & Trust”

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