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Rezension | Sarah Sprinz – Dunbridge Academy – Anywhere


He could be… anywhere



LYX | Dunbridge Academy #1 | 464 Seiten | 9783736316553 | 12,90€ | Januar 2022


Hui, was habe ich auf diese Buchreihe hingefiebert! Mit ihrer What-If-Reihe hat mich Sarah Sprinz völlig umgehauen und ich habe mich unwiderruflich in ihren Schreib- und Erzählstil verliebt. Etwas stutzig wurde ich, als ich hörte, dass es eine Internatsgeschichte werden würde. Also… ich liebe solche Geschichten, aber ein Abdriften auf die Teenie-Drama-Schiene ist bei so was immer ein großes Risiko. Trotzdem steckte ich all mein Vertrauen in die Autorin, kaufte das Buch und tauchte ein in die Story rund um die ehrwürdige Dunbridge Academy…

Klappentext: Sich zu verlieben, das stand nicht auf Emmas Agenda, als sie für ein Auslandsjahr an der schottischen DUNBRIDGE ACADEMY angenommen wird – dem Internat, an dem sich ihre Eltern kennengelernt haben. Hier will sie Hinweise auf ihren Vater finden, der die Familie vor Jahren verlassen hat. Ablenkung von ihrem Plan kann sie dabei nicht gebrauchen, aber als sie Schulsprecher Henry trifft, weiß Emma sofort, dass sie ein Problem hat. Während geheimer Mitternachtspartys und nächtlicher Spaziergänge durch die alten Gemäuer der Schule wachsen Gefühle zwischen ihnen, gegen die Emma schon bald machtlos ist. Doch Henry hat eine Freundin und Emma kein Bedürfnis, sich das Herz brechen zu lassen …


Ich merke erst, wie tief ich in Gedanken versunken bin, als Henry mir eine Strähne hinters Ohr streicht. Seine sehr dunkelgrünen Augen sind warm, als ich ihn ansehe.
„Was denkst du?“, fragte er leise. „Ich will es wissen.“
„Was ist das mit uns?“ Ich stelle die Frage, ohne eine Sekunde lang darüber nachzudenken.
Und Henry antwortet, ohne zu zögern. „Ich denke, es ist ernst.“
– S. 284


Na da hat uns Frau Sprinz ja wieder was aufs Papier gezaubert! In einem Genre Mix aus Young und New Adult wird der Schulhof zum knisternden Datingportal. Aber nicht auf die platte und niveaulose Art, sondern voller Tiefe und Gefühl. Genauso etwas habe ich mir gewünscht. Mit dem Setting eines ehemaligen Klosters erschafft die Autorin ein solides und gediegenes Fundament, das den kleinen und großen Wirbelstürmen der Teenie-Hormone wunderbar standhält. Ich liebe das Internatsfeeling und das propagierte und ausgelebte Wir-Gefühl der Schule; die dunklen Ecken, heimlichen Treffen und verbotenen Feten.

In gewohnt genialem Schreibstil wird die Liebesgeschichte von Henry und Emma erzählt, die durch eine bestehende Beziehung, einen fehlenden Vater und einen schweren Schicksalsschlag geprägt wird. Mit Feingefühl und dem siebten Sinn für emotionale Beschreibungen lässt mich Sarah Sprinz alles durchleben und mitfühlen, so klein eine Regung auch sein mag. Ich finde es klasse, wie die einzelnen Konflikte nachvollziehbar dargestellt werden und nichts überdramatisiert wird.

Das Der-fehlende-Vater-Thema ist ein toller Aufhänger für die Story. Emma will endlich ihren Vater wiedersehen, der sie mit elf Jahren sang- und klanglos verlassen hat. Die Suche nach ihm führt sie nach Schottland und auf die Schule, an der ihre Eltern sich kennen gelernt haben. Mit nur wenigen Anhaltspunkten befragt sie Lehrer und durchforstet Jahrbücher, um nicht nur ihren Vater zu finden, sondern auch um zu erfahren, was zwischen ihm, Mr Ward (Emmas Lehrer) und ihrer Mutter passiert ist. Dieser Teil der Geschichte bringt einen netten Thrill mit sich, der zwar leicht zu durchschauen ist, aber trotzdem Spaß macht. Die Auflösung fand ich ehrlicherweise etwas trivial, aber auch ziemlich realistisch (auch wenn mich das infantile Rachegehabe des Lehrers doch zwischenzeitlich etwas stutzig gemacht hat). Übrigens ist Emmas Vater ein richtiges Arschloch. Lest es selbst, aber ich war total schockiert von der ersten Begegnung. Ich habe sehr mitgelitten und das beweist für mich wieder Sarah Sprinz herausragendes Talent!

Aber kommen wir nun zum Wesentlichen: zu unseren Lovebirds! Hach, schon als sie auf dem Flughafen ineinanderlaufen, war ich hin und weg. Nicht nur, weil ich zurzeit viele Bücher lese, die ihren Anfang an einem Flughafen nehmen („Alles, was ich in dir sehe“ von Kyra Groh, „Vielleicht Jetzt“ von Carolin Wahl), sondern weil hier etwas alltägliches und nüchternes zum Klickmoment zwischen den Protagonisten und mir und den Protas wird. Die Schwingungen passen sofort auf allen Seiten und ich war getrieben davon, mehr über die beiden zu erfahren.

Emma ist eine beeindruckende Siebzehnjährige, die für ihr Alter schon ziemlich reif ist. Ich bin überrascht, wie sie ihr Leben managt und in die Hand nimmt, auch wenn das mit einer Mutter, die ein um die Welt jettender Workaholic ist, wohl mehr mit Überlebensinstinkt als mit Charakter zu tun hat. Ich bewundere sie sehr und gebe zu, dass ich die Hosen voll gehabt hätte, wenn ich Anreise und Ankunft in einer neuen Schule, in einem anderen Land (!), hätte organisieren müssen. Sie schlägt sich tapfer durch und hat Glück mit den offenen und herzlichen Menschen um sich herum. Toll ist, dass die Beziehung zu ihrer Mutter sehr stabil ist, auch wenn auf Seiten Emmas Enttäuschungen zum Alltag gehören. Ansonsten erscheinen zwischenmenschliche Beziehungen eher schwierig: Ihr Vater ist abgehauen, um großer Musiker zu werden, ihr Freund macht per WhatsApp Schluss und ihre beste Freundin antwortet ihr nicht mehr auf ihre Nachrichten. Es ist völlig verständlich, dass sie aus diesem Grund ein zweifelnder und manchmal auch ängstlicher Teenager ist, der versucht allein klarzukommen. Das spiegelt sich auch in ihrem Hobby. Sie läuft, um den Kopf frei zu kriegen und Stress abzubauen. Eine gute Methode, mitunter aber eine einsame. Emma hat noch nicht so recht ihren Platz im Leben gefunden, spürt aber in sich, dass es Zeit ist, zu handeln. Diesen Weg zu verfolgen macht Spaß und gibt tolle Denkanstöße mit!

Henry ist im besten Sinne ein Normalo, der mit seinem Schülersprechercharme die Höschen um sich herum feucht werden lässt. Er hat Null Bad Boy Allüren, ist unheimlich nett, aufmerksam und hilfsbereit. Ich liebe es, dass ihn Sport an seine Grenzen bringt und ganz weit weg von einem Hobby für ihn ist. Ich liebe seine Ambitionen, Lehrer zu werden, obwohl er in einer Scharr von Ärzten und angehenden Ärztinnen groß geworden ist. Ich liebe am allermeisten seinen Humor, der mich vor allem in seinen Kapiteln immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Sein einziger Makel, wenn man es den so nennen möchte, ist sein Wille, immer alles richtig zu machen. Das ist hier und da etwas anstrengend, aber im Sinne seiner Vita total nachvollziehbar.

So ein Schnuckelchen wie Henry ist selten allein. Am Anfang der Geschichte hat er eine Beziehung. Mit Grace. Seit drei Jahren. Sie kennen sich seit der fünften Klasse und haben so einiges miteinander durchgemacht. Die Liebe ist tief, aber ist sie noch heiß? Im Sinne von Romantisch? Dieser Frage muss sich Henry stellen, während seine Gefühle für Emma immer stärker werden. Ich finde, dass dieses ganze Beziehungsgeflecht super gut dargestellt ist und ich Henrys Zwiespalt hart gefühlt habe. Ist es noch Liebe oder eher Gewohnheit? Beide haben sich weiterentwickelt, beide durchleben große Umbrüche durch die Pubertät. Aber sind sie immer noch auf einer Wellenlänge? Auch wenn ich natürlich auf die Liebesgeschichte mit Emma hingefiebert habe, hat mich diese Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und der eigenen Courage sehr ergriffen.

Und dann BOOM. Kommt dieser krasse Schicksalsschlag, den ich nicht hatte kommen sehen. Mit Gänsehaut und Tränen in den Augen durchlebte ich mit Henry das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann und kann aus eigener Erfahrung bestätigen, wie grandios die Autorin Trauer, Schmerz und Sinnlosigkeit eingefangen hat. Diese Wendung hat der Geschichte in meinen Augen noch einmal eine ganz andere Tiefe geschenkt.

Zum Ende hin mochte ich sehr diesen leichten Vorspulcharakter, so dass mir innerhalb weniger Seiten viel Information geboten wurde. Die Geschichte von Henry und Emma wurde wundervoll zu Ende gebracht und meine Neugier auf Tori und Sinclair weiter geschürt!

„Dunbridge Academy – Anywhere“ ist eine hervorragend erzählte Geschichte, die mich für ein paar Stunden wunderbar unterhalten hat. Ich habe alles bekommen, was ich mir von einer Internatsgeschichte wünsche, auch wenn ich hier und da Kleinigkeiten zu kritisieren hatte. Es ist kein herausragendes Buch wie die Bücher der What-If-Reihe, doch es untermauert weiterhin meine große Verehrung für die Autorin!


Wie hat dir „Dunbridge Academy – Anywhere“ gefallen?
Lass mir gern einen Kommentar da!


Danke fürs Lesen!
Bis zum nächsten Mal,
L🖤L



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2 Antworten auf “Rezension | Sarah Sprinz – Dunbridge Academy – Anywhere”

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